Oh Loempia

von Jörg Plewe

… wie der Chinese für seine Frühlingsrollen sacht. Wir sagen dat ja ehr für die olympischen Sommerspiele. Und die sind jetzt rum. Jetz hap ich mich ma in mein Leben umgeguckt: Hat sich nix geändert. Kann also allet nich so schlimm gewesen sein. Ich hap auma auf mein Konto geguckt – keine Rückerstattung vonne Sportfördergelder.
Dabei warn die Deutschen Athleten doch allet Luschen, sacht jedenfalls die van Almsick. Und die musset ja wissen, weil, sie hat auch tausendma gesacht, datsen Experte is. Wir sind auch ehrn Volk von Experten wie von Athleten.

Überhaupt, der Chinese hat ja schwer abgesahnt. Dabei, ich find ja immer, Olympia sollte völkerverbindend sein. Wärt vielleicht auch, wennet nach die Sportler ging, aber die Medien und die Funktionäre wollen dat nich. Da wird jede Medallie, auch wennser einer ma nich gekricht hat, fein nach die Nationen aufgedröselt. Die machen dat zu ne Konkurrenz von die Nationen. Russland gegen China gegen USA. Und gegen uns. Wie im kalten Kriech, nur mittet olympische Feuer. Man könnte ja sagen, der Ringer Kasulske hat Gold gewonnen, weiler gut Ringen kann und den Sake Kimono in dat Finale auffe Schultern gehapt hat. Sagense aber nich. Die sagen „Gold für Deutschland!!“. Und dann noch, dattat der Kasulske aus Bielefeld war. Und dann jehn Abend, welchet Land wat für Medallien hat. Als op da Länder wat gewinnen, un nich die Sportler.
Obwohl … manchmal is ja doch wichtig, aus welchen Land de bis. Wenne zum Beispiel Gewichtheber bis, is dat besser, wenne aus Russland komms. Dann kannse nämlich mehr trainieren, weile nich soviel Zeit mitti Dopingkontrollen verplempers, wo eh nix bei rauskommt. Ja, und dat zahlt sich dann aus.
Apropos Gewichtheben. Hapter den Steiner gesehen, wie der die Stange in sein eisernet Kreuz gekricht hat? Da hatta am Ende noch Glück gehapt, die Knochen waren – wenn auch ohne Sieg, heil. Ok, Schluß mitti schmuddelige Wortspiele.

Wat gabet noch? Dressur. Mit den Kommentar dazu? Da musse ma ne Comedynummer draus machen, kannse reich mit wern!
„Er ist ein glanzvoller Traversierer, ein glanzvoller Piaffierer, ein glanzvoller Passagierer“. „Die leichte Hand über den Widerist gesetzt, über ihn getragen, mit einem getragenen, gut herangeschobenen, starken Trab. Schön aus der Schulter, frei.“ Gesprochen mit eine Stimme, wie manse sons vonne Papstwahl oder die Hochzeit vonne englischen Prinzen kennt. Ich laach auffem Boden, im Ernst. Wussteter eigentlich, dat die Frauen hinterher den Zylinder aufbehalten und die Männer den abnehmn? Ich frach mich sowieso, wie habn die damals eigentlich die Pferde nach Peking gekricht? Nach London kannse ja noch hinreiten. Aba Peking? Eins mit dem Betäubungsgewehr und dann ab innen Container und drei Monate auffem Schiff? Aba Luftlöcher reinmachen!

Apropos Luftlöcher. Luftgewehr auf 10m. Dat hat meine Vorstellung von wat Sport is auffen Kopp gestellt. Da gehtet drum, sich überhaupt nich zu bewegen. Kein bisken. Höchstens ma nachem Schuß dat Gewehr drei Zentimeter zur Seite legen. Die Jungs sehen aus wie Cyborgs in viel zu große Motorradklammotten. Alles voll mit Augenklappen, die Gewehre sehn aus wie zu groß geratenes Zahnarztbesteck. Die schießen auch gar nich richtig. Pfft – hörse kaum. Dafür war der Reporter aba ganz außem Häuschen: „10,3 – das ist der Olympiasieg!“. Ich war beim Zugucken auch schon ganz hibbelig, weil dat so spannend war.
Dafür ballern die beim Skeet-Schießen aba richtich! Die Ami-Frau mit dem tiefen Schwerpunkt hattat souverän gewonnen. Allet getroffen. Aba dat weiß man ja, im Ballern sind die gut. Früher ham die ja noch auf echte Tauben geschossen, aba die hamse in London vorher alle vergiftet.

Beachvolleyball für Männer … wer braucht dat denn? Beachvolleyball ist doch dafür erfunden wordn, um die schöne Frauen im Bikini schamlos auffen Hintern gucken zu dürfen. Der Sport selbst is ehr unspektakulär. Is auch kein Wunder, weil im Sand kannse dich kaum bewegn. Ich habs ma probiert, geht nich.
Spektakulär find ich BMX-Fahren auf diese riesige Minigolfbahn. Is aba zu gefährlich, find ich. Da bricht sich nomma einer wat und dann is wieder Panhas am Schwenkmast.

Aba insgesamt ma Hut ab für die ganzen Judoka, Ringer, Ruderer, Kanuten, Geher, Synchronschwimmer und viele mehr, die keiner kennt. Die ham sich im Breitensport über viele Jahre gegen Millionen von Konkerrenten durchgesetzt, und jetzt sind die die Besten und bei die Spiele. Die machen dat fürn Appel undn Ei. Und dat Ei müssense auch noch selber zahln. Und für Deutschland natürlich, is ja kla.
Alles Profis, kla. Ohne Profi brauchse bei Olympia nich am Start. Da gibbet aba auch vaschiedene. Ich glaub son Judo-Mädchen is eher son 1€-Athlet. Olympia auf 400€-Basis, wennse so wills. Da krich ich Gänsehaut, wenn die dann auch noch gewinnen. Und wenn die dann verliern und traurich sind, bin ich dat auch. Wie bei die Shin A-Lam von Korea beim Fechten. Da muss der Hersteller von Olympia doch man Herz ham und die auch ne Medallie gehm, oda?
Bei die Reiter fällt mir dat Freuen nich so leicht, weil da brauchse ja schon’n reichen Vatta damitte dich gegn die beidn andern Millionärstöchter durchsetzen kanns. Mitti Reiter happich et heute aba auch …

Von die ganze Medallien hap ich aba nix. Geht auch gar nicht. Denn eigentlich hat die alle dieser Ex-Grüneminister, wie heißt der nomma, Motorroller … ah … Vespa, gewonnen. Auf die Medallien hat der sich nämlich schon im Vorfeld von die Spiele in konstruktive Gespräche mit die Verbände geeinigt. Hatter gesacht. Der Junge hat schwer wat auffem Verbandskasten. Jenfalls isser mit sich und seine Leistung sehr zufrieden, sachter. Ham wir wohl doch die falschen dahin geschickt.

Jungs und Mädels, lasst euch von die nich Kirre machen. Wir Sportler aller Nationen bewundern euch! Ihr seid unglaublich gut!

Glückauf.