Paris, 13.11.2015

Mehr als 130 Menschen sterben bei Terrorattentaten. 80 Millionen Deutsche entkommen knapp und können sich in Sicherheit bringen.

Bei den Geretteten sehe ich drei Arten von Reaktion:

1) Betroffenheit. „Wir sind mit unseren Gedanken und Gebeten bei den Opfern und ihren Familien“ tönt es aus allen Ecken der Politik und vom Bundestrainer. Es kommt mir vor wie ein Wettbewerb, wer als Schnellster am betroffendsten sein kann. Für uns, das einfache Volk gibt es die sozialen Netzwerke. Facebook erkennt als erstes den Trend und lässt Fotos in Trikolore einfärben. Eine hilflose Geste im Angesicht des Unfassbaren.
Wirkung: Keine.

2) Zumachen. Grenzen schließen.
Verständliche Reaktion. Alles, was nicht von hier ist, könnte ein Terrorist sein und mich erschießen. Und die wollen wir nicht auf unserer kleiner werdenden Insel der Glückseligkeit. Das ganze Migranten- und Asylantenpack soll bleiben, wo es ist und uns in Ruhe lassen. Es scheint, als brächten sie den Terror, vor dem sie fliehen, mit sich. Ein schönes Trittbrett für Nationalismus und Rassismus.
Unbestimmte Angst. Gegenüber allen. Am Ende gegenüber dem Nachbarn, der einen kurdischen Freund hat.
Das ist die Reaktion, die der IS braucht. Die Saat der Angst geht auf. Die Intoleranz ist im Zielgebiet angekommen, verstärkt sich selbst und richtet ihr Unheil an.
Wenn Asylantenheime brennen, haben IS und Terrorismus gewonnen, dann sind wir die Terroristen. Unser IS wächst als Krebsgeschwür aus unserer Mitte und braucht dafür nicht einmal den Islam.
Die dunkle Seite der Macht das ist, Luke!

3) Aufwachen. Die Leute in Syrien haben sowas jeden Tag. Und die in Nigeria. Und im Irak. Und Beirut. Warum berührt mich Paris, das in der Terrorstatistik nur unter ‚andere‘ zu finden ist? Weil ich schon dort war, weil das Leute sind wie ich. Weil das eine Stadt ist wie meine. Häuser ohne Wüste drum herum. Menschen, die die gleiche Kleidung tragen wie ich. Die auch reich sind.
Diese Nähe verstärkt das Mitgefühl – weil ich wirklich mit fühlen kann. Die Verzweiflung der Opfer, die Wut auf die Terroristen.
Die Menschen in Paris haben an dem Abend ihre Türen geöffnet und Fliehende aufgenommen. Das sagen uns jedenfalls die Medien: #porteouverte. Bei weitem nicht alle Menschen in Paris haben das getan, denn dort gibt es mehr ängstliche Rassisten als hier. Aber es ist eine schöne Geschichte für (1). Dennoch: Solidarität, Mitgefühl, Menschlichkeit, das ist, was die Terroristen dumm dastehen lässt und uns unverwundbar macht. Dieses Gefühl können wir verinnerlichen: Türen auf, wenn es brennt!

(1) ist ein Anfang, (2) besorgt mich. (3) kann etwas verändern.

 

Nigeria, 18.11.2015: Eine 11-jährige sprengt sich, 32 Tote.

 

 

Ein Kommentar zu „Paris, 13.11.2015

  1. Ich gehe da mit Dir vollkommen konform, allerdings hast Du eine Gruppe vergessen….“Wie schaffen das, unser Land ist sicher, wir passen auf Euch auf“

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