Gewaltpädagogik

von Jörg Plewe

Ein IT-Heini alter Schule macht eine IT-AG – an ’ner Schule, Alter!
Es fällt schnell auf, dass es seine Vorzüge haben kann, ein vollausgebildeter Nichtpädagoge zu sein. Mir steht meine Lehrerfahrung jedenfalls nicht im Wege. Vollpfosten.
Schon beim ersten Kontakt mit der Brut weise ich darauf hin, dass ich überhaupt kein Lehrer bin. Nicht einmal entfernt und nicht im Geringsten. Das war mein erster Satz, nachdem ich meinen Namen an die Tafel geschrieben hatte:

„Ich heiße Plewe, mein Vorname ist Herr, das ist die Abkürzung von Herrscher.“

Sie schmunzeln. Das bedeutet – so führe ich ebenfalls schmunzelnd aus – dass mir niemand beigebracht hat dass Gewalt kein Mittel der Pädagogik ist. Oder unerwünscht. Oder gar nicht erlaubt. Da ich schnell mal das doppelte der Würmchen wiege und sich das Gewicht auch sichtbar nicht in der Hüftgegend tummelt, wirkt diese einfache Feststellung schon vor dem ersten Aufruhr der Pubertanten als gutes Mittel der Verhaltensnivellierung. Die Kunst dabei ist, nicht wirklich bedrohlich zu wirken. Nur etwas Unsicherheit streuen. Ob dieser Typ es nicht vielleicht doch so meint? Kann ja eigentlich nicht – oder? Der ist ja kein Lehrer, der könnte anders sein. Das reicht schon. Sie erleben mich fortan als leise, ruhig, gelassen und freundlich. Disziplinprobleme gibt es jedenfalls nicht. Wir sind Kumpel. Das kann ich mir jetzt leisten.