Oh Loempia

… wie der Chinese für seine Frühlingsrollen sacht. Wir sagen dat ja ehr für die olympischen Sommerspiele. Und die sind jetzt rum. Jetz hap ich mich ma in mein Leben umgeguckt: Hat sich nix geändert. Kann also allet nich so schlimm gewesen sein. Ich hap auma auf mein Konto geguckt – keine Rückerstattung vonne Sportfördergelder.
Dabei warn die Deutschen Athleten doch allet Luschen, sacht jedenfalls die van Almsick. Und die musset ja wissen, weil, sie hat auch tausendma gesacht, datsen Experte is. Wir sind auch ehrn Volk von Experten wie von Athleten.

Überhaupt, der Chinese hat ja schwer abgesahnt. Dabei, ich find ja immer, Olympia sollte völkerverbindend sein. Wärt vielleicht auch, wennet nach die Sportler ging, aber die Medien und die Funktionäre wollen dat nich. Da wird jede Medallie, auch wennser einer ma nich gekricht hat, fein nach die Nationen aufgedröselt. Die machen dat zu ne Konkurrenz von die Nationen. Russland gegen China gegen USA. Und gegen uns. Wie im kalten Kriech, nur mittet olympische Feuer. Man könnte ja sagen, der Ringer Kasulske hat Gold gewonnen, weiler gut Ringen kann und den Sake Kimono in dat Finale auffe Schultern gehapt hat. Sagense aber nich. Die sagen „Gold für Deutschland!!“. Und dann noch, dattat der Kasulske aus Bielefeld war. Und dann jehn Abend, welchet Land wat für Medallien hat. Als op da Länder wat gewinnen, un nich die Sportler.
Obwohl … manchmal is ja doch wichtig, aus welchen Land de bis. Wenne zum Beispiel Gewichtheber bis, is dat besser, wenne aus Russland komms. Dann kannse nämlich mehr trainieren, weile nich soviel Zeit mitti Dopingkontrollen verplempers, wo eh nix bei rauskommt. Ja, und dat zahlt sich dann aus.
Apropos Gewichtheben. Hapter den Steiner gesehen, wie der die Stange in sein eisernet Kreuz gekricht hat? Da hatta am Ende noch Glück gehapt, die Knochen waren – wenn auch ohne Sieg, heil. Ok, Schluß mitti schmuddelige Wortspiele.

Wat gabet noch? Dressur. Mit den Kommentar dazu? Da musse ma ne Comedynummer draus machen, kannse reich mit wern!
„Er ist ein glanzvoller Traversierer, ein glanzvoller Piaffierer, ein glanzvoller Passagierer“. „Die leichte Hand über den Widerist gesetzt, über ihn getragen, mit einem getragenen, gut herangeschobenen, starken Trab. Schön aus der Schulter, frei.“ Gesprochen mit eine Stimme, wie manse sons vonne Papstwahl oder die Hochzeit vonne englischen Prinzen kennt. Ich laach auffem Boden, im Ernst. Wussteter eigentlich, dat die Frauen hinterher den Zylinder aufbehalten und die Männer den abnehmn? Ich frach mich sowieso, wie habn die damals eigentlich die Pferde nach Peking gekricht? Nach London kannse ja noch hinreiten. Aba Peking? Eins mit dem Betäubungsgewehr und dann ab innen Container und drei Monate auffem Schiff? Aba Luftlöcher reinmachen!

Apropos Luftlöcher. Luftgewehr auf 10m. Dat hat meine Vorstellung von wat Sport is auffen Kopp gestellt. Da gehtet drum, sich überhaupt nich zu bewegen. Kein bisken. Höchstens ma nachem Schuß dat Gewehr drei Zentimeter zur Seite legen. Die Jungs sehen aus wie Cyborgs in viel zu große Motorradklammotten. Alles voll mit Augenklappen, die Gewehre sehn aus wie zu groß geratenes Zahnarztbesteck. Die schießen auch gar nich richtig. Pfft – hörse kaum. Dafür war der Reporter aba ganz außem Häuschen: „10,3 – das ist der Olympiasieg!“. Ich war beim Zugucken auch schon ganz hibbelig, weil dat so spannend war.
Dafür ballern die beim Skeet-Schießen aba richtich! Die Ami-Frau mit dem tiefen Schwerpunkt hattat souverän gewonnen. Allet getroffen. Aba dat weiß man ja, im Ballern sind die gut. Früher ham die ja noch auf echte Tauben geschossen, aba die hamse in London vorher alle vergiftet.

Beachvolleyball für Männer … wer braucht dat denn? Beachvolleyball ist doch dafür erfunden wordn, um die schöne Frauen im Bikini schamlos auffen Hintern gucken zu dürfen. Der Sport selbst is ehr unspektakulär. Is auch kein Wunder, weil im Sand kannse dich kaum bewegn. Ich habs ma probiert, geht nich.
Spektakulär find ich BMX-Fahren auf diese riesige Minigolfbahn. Is aba zu gefährlich, find ich. Da bricht sich nomma einer wat und dann is wieder Panhas am Schwenkmast.

Aba insgesamt ma Hut ab für die ganzen Judoka, Ringer, Ruderer, Kanuten, Geher, Synchronschwimmer und viele mehr, die keiner kennt. Die ham sich im Breitensport über viele Jahre gegen Millionen von Konkerrenten durchgesetzt, und jetzt sind die die Besten und bei die Spiele. Die machen dat fürn Appel undn Ei. Und dat Ei müssense auch noch selber zahln. Und für Deutschland natürlich, is ja kla.
Alles Profis, kla. Ohne Profi brauchse bei Olympia nich am Start. Da gibbet aba auch vaschiedene. Ich glaub son Judo-Mädchen is eher son 1€-Athlet. Olympia auf 400€-Basis, wennse so wills. Da krich ich Gänsehaut, wenn die dann auch noch gewinnen. Und wenn die dann verliern und traurich sind, bin ich dat auch. Wie bei die Shin A-Lam von Korea beim Fechten. Da muss der Hersteller von Olympia doch man Herz ham und die auch ne Medallie gehm, oda?
Bei die Reiter fällt mir dat Freuen nich so leicht, weil da brauchse ja schon’n reichen Vatta damitte dich gegn die beidn andern Millionärstöchter durchsetzen kanns. Mitti Reiter happich et heute aba auch …

Von die ganze Medallien hap ich aba nix. Geht auch gar nicht. Denn eigentlich hat die alle dieser Ex-Grüneminister, wie heißt der nomma, Motorroller … ah … Vespa, gewonnen. Auf die Medallien hat der sich nämlich schon im Vorfeld von die Spiele in konstruktive Gespräche mit die Verbände geeinigt. Hatter gesacht. Der Junge hat schwer wat auffem Verbandskasten. Jenfalls isser mit sich und seine Leistung sehr zufrieden, sachter. Ham wir wohl doch die falschen dahin geschickt.

Jungs und Mädels, lasst euch von die nich Kirre machen. Wir Sportler aller Nationen bewundern euch! Ihr seid unglaublich gut!

Glückauf.

30 Gramm

Menschen können tolle Dinge. Im Artikel über das Tanzen kann man ahnen, was unser Hirn schon bei solch scheinbar einfachen Tätigkeiten leistet. Und das ist lange nicht alles. Dabei wird noch verdaut, geatmet, erinnert, gefühlt, gedacht. Und und und.
Diese unglaubliche Leistung schaffen nicht nur besonders kluge Menschen. Auch der dümmste Honk (nach kulturgeprägt gemeiner Einschätzung) ist dazu in der Lage. Selbst eine Katze kann sowas, sogar eleganter als unsereiner.
Nun wiegt das Gehirn einer Katze etwa 30 Gramm. Scheinbar reichen 30 Gramm dieser grauen Grütze, um das Wunder spielend zu vollbringen.
Unseres wiegt 1500 Gramm. Da drängt sich die Frage auf: Wenn 30g reichen, was fangen wir dann erst mit den 1470g an, die wir zusätzlich haben? Betrachtet man das 30g-Potenzial, darf man wohl einiges erwarten!

Gucken wir mal.

Schon mal versucht, in England Auto zu fahren? Hölle! Selbst zu Fuß ist es schwierig. Dabei muss nur links mit rechts vertauscht werden. Links … rechts. Einfacher gehts kaum. Aber das können wir nicht, ein Riesensproblem, für das die 1470g schon nicht mehr reichen? Ich staune. Oder: Wieviel ist 39+47? Die Antwort dauert viel länger als ein Rhythmusschlag der Musik, in dem beim Tanzen soviel passiert.

Was gibt es noch Großartiges? Hochbewunderte Exemplare der 1500g-Klasse werden Fußballprofis, ein Menschenleben voll spezialisiert auf eine einzige, kleine Aufgabe. 1470g Zaubermasse für ‚das Runde muss in das Eckige‘ und ‚man darf nicht alles glauben, was stimmt‘. Das kann’s nicht sein.
1470g pure Magie um an einem Fließband irgendetwas zusammenzudängeln? Um Fenster zu putzen und das Katzenklo sauberzumachen (da zockt uns die 30g-Fraktion übrigens ganz schön ab)? Um das Handy nicht zu begreifen?
Forscher, Dichter, Denker holen vielleicht etwas mehr raus, aber das Verhältnis zur Leistung bei der multisensorischen Bewegungsplanung des Tanzens scheint nicht zu stimmen. Bei weitem nicht.

Es bleibt das Gefühl, dass da irgendetwas nicht stimmt. Eine gewaltige Verschwendung von Mutter Natur? Perlen vor die Säue?
Meine 1470g kommen jedenfalls nicht dahinter wofür sie wirklich gut sind. Da nehme ich lieber meine 30g und wir gehen tanzen. Und im nächsten Leben werde ich Katze.

rauchen

Aus der Reihe: Der denkende Mensch.

Rauchen ist dumm. Das weiß jeder.

Schlichte Gemüter tun es einfach. Weil die Werbung es vorschreibt. Und das schlichte Umfeld tut es ja auch. Der einfache Geist fragt nicht nach dem Warum. Bestenfalls „Warum nicht?“. Und da fällt ihm nichts ein. Gehen wir eine rauchen?
Der reflektierende Mensch gesteht es sich als Laster zu, nimmt es als kleinen Fehler an sich in Kauf. Auch er kann ja nicht anders, Nikotin ist nunmal ein Suchtmittel. Auch für Denker.

So wird es der Raucher selbst sehen. Seine Sache. Aber was ist mit einer anderen Perspektive? Die eines Partners zum Beispiel?

Wer möchte denn nicht…

… die gelben Finger und Zähne sehen
… den Geruch eines Aschenbechers küssen
… die fahle, gräuliche Haut streicheln
… das Geld lieber für etwas Schönes ausgeben
… oder gegen den Hunger in der Welt spenden
… wahre Freiheit, solange ein Zigarettenautomat in der Nähe ist
… immer eine Hand mit Schachtel und Feuerzeug belegt wissen
… morgens das schöne Husten verklebter Bronchien hören vor der ersten Zigarette
… auf jedem Treppenabsatz eine Pause machen dürfen
… einen Fetten oder Dürren – Sport ist doch eh nicht gesund, wegen der Gelenke
… den schönen Anblick bläulicher Beine würdigen, solange sie noch dran sind
… den erfrischenden Moment eines Herzinfarktes geniessen
… diese herrlich röchelnde Stimme
… die noch erotischer wird, wenn der Kehlkopf erst einmal raus ist
… durch den Lungenkrebs romantisch in den Tod begleiten
… im Alter möglichst bald allein sein
… dass es Philip Morris und Reemtsma wirklich gut geht?

Der leicht manipulierbare Mensch – und davon gibt es ja genug – bildet das Fundament des globalen Terrors. Die Tabakindustrie braucht die vielen, kleinen Einkommen zum Schmieren ihrer Todesmaschinerie. Eine gigantische Infrastruktur der Vernichtung menschlicher Gesundheit und Würde will finanziert sein. Ein Geschäft mit der Dummheit. Welch Edelmut und große Idee.
Vater Staat holt sich seine Sozialhilfe wieder zurück und freut sich über entlastete Rentenkassen durch sozialverträgliches Frühableben. Der Rest von uns finanziert das Spektakel über die Krankenkassenbeiträge mit.

Ach, was reg‘ ich mich eigentlich auf…
Den Kindern ein Vorbild!